Deutsch-mittelosteuropäische Zusammenarbeit in der Praxis — von der Studienreise zur Partnerschaft

Drei Unternehmen, eine Botschaft – die Bedeutung von MOE-Partnerschaften heute

In unserem LinkedIn-Beitrag der vergangenen Woche berichteten wir über die von der AHK organisierte Studienreise nach Deutschland, bei der Branchenvertreter und Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa gemeinsam der Frage nachgingen, wie eine engere regionale Zusammenarbeit Europa wettbewerbsfähiger machen kann.

Unser LinkedIn-Beitrag ist hier verfügbar: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7383762905458044928

Aufbauend auf diesem Gedanken reiste unser Geschäftsführer kürzlich erneut nach Deutschland – diesmal, um mit Vertretern konkreter Unternehmen mögliche Formen der Zusammenarbeit zu besprechen.

Die drei besuchten Unternehmen unterschieden sich in Größe, Organisation und Herausforderungen. Alle formulierten jedoch denselben Bedarf: zuverlässige, flexible und wettbewerbsfähige Partner innerhalb Europas.

1️⃣ Kleinunternehmen: Zertifizierungs- und Kapazitätshürden überwinden

 

Unser erster Besuch führte uns zu einem kleinen Familienunternehmen, das zuvor über einen Tier-1-Partner in der BMW-Lieferkette tätig war. Dieser Partner hatte jedoch kürzlich seinen Betrieb eingestellt.

 

Da das Unternehmen ohne die erforderlichen Zertifizierungen nicht direkt liefern kann, sucht es nun einen Partner, der die OEM-Beziehungen aufrechterhalten und die Erfüllung strenger automobiler Qualitätsanforderungen gewährleisten kann.

 

Hier können auch wir Mehrwert schaffen: Mit unserer technischen Kompetenz und Flexibilität unterstützen wir kleinere Hersteller dabei, weiterhin Teil großer OEM-Netzwerke zu bleiben.

2️⃣ Mittelständisches Unternehmen: zwischen Effizienz und Kostendruck

 

Die nächste Station war ein mittelgroßes Spritzgusswerk – ein inspirierendes Beispiel für Automatisierung und konsequente Prozesssteuerung.

 

Wir haben viel über Effizienz und Organisation von ihnen gelernt. Gleichzeitig stehen auch sie vor Herausforderungen bei den Werkzeugkosten und der Gewinnung neuer Projekte. Eine vertraute Situation: Die Lücke zwischen den hohen Preisen deutscher Werkzeugbauer und dem niedrigen Kostenniveau asiatischer Lieferanten wird immer größer.

 

Genau hier sehen wir eine Chance: Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa – darunter auch wir – können hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen bieten, geografisch nah und kulturell auf einer Wellenlänge.

3️⃣ Großunternehmen: Lieferantennetzwerke neu gestalten und den regionalen Fokus stärken

 

Das dritte Gespräch fand bei einem Großunternehmen statt, das sein Lieferantennetzwerk neu organisiert und prüft, einen Teil seiner Spritzgusskapazitäten nach Mittel- und Osteuropa zu verlagern.

 

Das Ziel ist klar: mehr Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit durch ein ausgewogeneres regionales Partnernetzwerk.

 

Es war erfreulich zu sehen, wie offen das Unternehmen für neue Kooperationsformen ist. Es erkennt, dass Mittel- und Osteuropa sowohl hochentwickeltes technologisches Wissen als auch die Flexibilität bietet, die im heutigen schnelllebigen industriellen Umfeld unverzichtbar ist.

💡 Die Erkenntnis: die Stärke persönlicher Begegnungen

 

Unabhängig von Unternehmensgröße oder Branche haben diese Besuche eines deutlich gezeigt: Persönliche Begegnungen lohnen sich immer.
Ein offenes Gespräch zeigt schnell, wie viele Anknüpfungspunkte zwischen deutschen und mittel- und osteuropäischen Herstellern bestehen und wie viel gemeinsamen Mehrwert eine engere Zusammenarbeit schaffen kann.

Als mittel- und osteuropäische Spezialisten für Werkzeugbau und Spritzguss erleben wir täglich, welche Vorteile es bietet, westeuropäische Anforderungen mit schnellen, flexiblen und wirtschaftlichen Lösungen unserer Region zu verbinden.
Wir suchen kontinuierlich nach Kooperationen, bei denen wir mit unserem eigenen Werkzeugbau und unserer Serienfertigung sowohl Schnelligkeit als auch tiefgehende technische Kompetenz bieten können.

Wenn Sie vor ähnlichen Herausforderungen stehen oder neue regionale Partner suchen, teilen wir gerne unsere Erfahrungen mit Ihnen.
Lassen Sie uns den Dialog fortsetzen – Schritt für Schritt, Projekt für Projekt.

Die teuerste Verzögerung: Wenn die Produktionslinie beim Kunden stillsteht

Beschaffung und Logistik 2025: Bestand = Überleben

Wer heute in der Beschaffung oder Logistik der Automobilindustrie arbeitet, weiß genau, was Unberechenbarkeit bedeutet.

In diesem Beitrag zeigen wir, wie wir auf die logistischen Herausforderungen der Automobilindustrie im Jahr 2024 reagiert haben.

Wir zeigen, wie wir immer wieder neu planen mussten und was wir dabei über Beschaffung und Bestandsmanagement gelernt haben.

Wechselnde Vorzeichen: Herausforderungen in Beschaffung und Logistik 2025

Vor drei Jahren leitete unsere Geschäftsführung nach umfassenden internen Untersuchungen, Marktforschung und Fachberatungen einen strategischen Kurswechsel ein.

Bis dahin hatten sich unsere beiden Hauptgeschäftsfelder – der Spritzgießwerkzeugbau und die Serienfertigung von Kunststoffspritzgussteilen – lediglich gegenseitig unterstützt, ohne als gemeinsames Angebot am Markt aufzutreten.

Werkzeugversuche und Vor-Ort-Service schufen eine wirksame Verbindung. Wir erkannten jedoch, dass ein echter Wettbewerbsvorteil nur durch eine enge Verzahnung beider Bereiche und eine umfassende, auf Projektmanagement in der Automobilindustrie ausgerichtete Dienstleistung entstehen konnte.

Deshalb konzentrierten wir uns auf die Gewinnung kompletter Projekte, bei denen von der Werkzeugkonstruktion und -fertigung bis zur Serienproduktion alles im eigenen Haus erfolgt.

Unser vorrangiges Ziel wurde die Gewinnung mehrjähriger Projekte zur Belieferung der Automobilindustrie.

Seit 2021 wurden auf diese Weise zwei großvolumige Automobilprojekte gestartet, die sich inzwischen in der Serienfertigung befinden. Detaillierte Fallstudien dazu werden wir in Kürze veröffentlichen.

Die vergangenen Jahre haben jedoch weder die Branche noch unser Unternehmen verschont.

Erschwerte Bedingungen: Automobilindustrie und unsichere Lieferketten

2024 gingen die Aufträge in der Automobilindustrie europaweit zurück. Mehrere unserer OEM-Partner führten vorübergehende Produktionsstopps ein, die sich auf die gesamte Lieferkette auswirkten.

Dies führte zu Umsatzausfällen, einem langsameren Lagerumschlag und zeitweisen Stillständen. Aufgrund sinkender Mengen verfolgten wir eine vorsichtigere Bestandspolitik.

Wir reduzierten die Sicherheitsbestände an Rohstoffen, Zukaufteilen und Fertigprodukten deutlich.

Ende 2024 erschien diese Entscheidung gerechtfertigt. Die Sicherung eines positiven Cashflows hatte Vorrang: Wir konnten es uns nicht leisten, Kapital in Lagerbeständen zu binden. Auch die schwankende Nachfrage mahnte zur Vorsicht.

Angesichts ungünstiger Prognosen und möglicher Projektstopps wollten wir das Risiko überschüssiger, nicht mehr benötigter Bestände minimieren.

Längere Lieferzeiten, unberechenbare Lieferanten

Beim Wiederanlauf der Projekte nutzten wir unsere vorhandenen Bestände und bestellten Material im gewohnten Rhythmus.

Ende 2024 verlängerten jedoch mehrere Lieferanten ihre Lieferzeiten ohne Vorankündigung.

Statt der bisherigen 6–8 Wochen stiegen die Lieferzeiten auf bis zu 20 Wochen. Dies stellte ein erhebliches Logistikrisiko für die Automobilfertigung dar. Vermutlich waren auch die Lieferanten zu einer vorsichtigeren Bestandspolitik übergegangen.

Anfang 2025 wurde deutlich, dass eine Neustrukturierung der Sicherheitsbestände unvermeidbar war. Wegen der längeren Lieferzeiten mussten wir wieder mit höheren Lagerbeständen planen.

Die Schwierigkeiten hielten jedoch an.

Ein kritischer Lieferantenausfall – wie haben wir reagiert?

Der Hersteller eines Zukaufteils für eines unserer Automobilprojekte konnte selbst die Frist von 20 Wochen nicht einhalten. Ein Maschinenausfall verzögerte die Lieferung weiter und wirkte sich unmittelbar auf unsere Fertigungsplanung aus.

Es entstand ein Engpass, der die Versorgung des Kunden gefährdete. Die Lieferzeit von 20 Wochen konnten wir noch durch unsere Sicherheitsbestände abdecken.

Die zusätzlichen Wochen ließen sich jedoch nicht mehr im Zeitplan auffangen.

Unsere Lösungen:

  • Wir beschafften das Bauteil zunächst auf eigene Kosten per Expressfracht und machten diese Kosten anschließend beim Lieferanten geltend.
  • Wir organisierten zusätzliche Schichten, um die verspätet eingetroffenen Teile schnellstmöglich zu verarbeiten.
  • Zusätzlich zu den wöchentlichen Lieferungen versandten wir europaweit Expresssendungen an den Kunden. Ziel war es, einen Stillstand seiner Produktionslinie zu verhindern.

Erkenntnisse

Anfang 2025 zeigte sich erneut: Beschaffung und Logistik sind strategische Schlüsselbereiche eines industriellen KMU.

Die Belieferung der Automobilindustrie erfordert Flexibilität, schnelle Reaktionen, proaktives Bestandsmanagement und ausgezeichnete Lieferantenbeziehungen.

In vielen Fällen verlangt sie auch eine höhere Risikobereitschaft, als wir es bisher gewohnt waren.